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Wertheimer Generalisten aus sieben Nationen startet in Praxiseinsätze

Wertheim I 13.11.2020

Krankenschwester war vorgestern. Die zum 1. Januar 2020 verabschiedete Reform der Pflegeausbildung veränderte nicht nur den Lehrplan, sondern auch die Berufsbezeichnung grundlegend. Jetzt drücken zum ersten Mal angehende Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner in Wertheim die Schulbank. 16 zukünftige Pflege-Generalisten aus sieben Nationen starteten am 1. Oktober in die neue dreijährige Ausbildung – nun sind sie zum ersten Mal im Praxiseinsatz.

Sechs Wochen Unterricht liegen hinter dem ersten Kurs, der in Wertheim in die generalistische Pflegeausbildung gestartet ist. Im Klassenzimmer im 2. Stock der Rotkreuzklinik haben die Auszubildenden die theoretischen Grundlagen für ihren ersten Praxiseinsatz erhalten. Schulleiterin Martina Zipf und ihr Schulteam sind zuversichtlich, dass die angehenden zwölf Pflegefachfrauen und vier Pflegefachmänner aus sieben Nationen fit dafür sind. Die meisten stammen aus Deutschland, rund ein Drittel aus anderen Ländern wie Russland, Rumänien und Afrika. Maria Papadopoulou kommt aus Griechenland und hat dort bereits ein sechsmonatiges Krankenhaus-Praktikum absolviert. „Nach meinem Umzug nach Deutschland habe ich mich bald an der Berufsfachschule für Pflege beworben. Ich bin sicher, dass mir die Ausbildung zur Pflegefachfrau Freude und Zufriedenheit verschafft und freue mich jetzt sehr auf meinen ersten praktischen Einsatz in der Rotkreuzklinik Wertheim."

Krankenhausdirektorin Cornelia Krause liegt der Pflegenachwuchs besonders am Herzen. Sie freut sich, dass der gesamte Kurs den ersten, sogenannten Orientierungseinsatz in der Rotkreuzklinik leistet. „Gerade im ersten Ausbildungsjahr ist eine engmaschige Begleitung und Anleitung wichtig, denn hier werden die Grundlagen für den anspruchsvollen Pflegeberuf gelegt", betont sie. „Unsere sehr gut ausgebildeten, erfahrenen Praxisanleiter kümmern sich intensiv um die Auszubildenden und trainieren gezielt Pflegesituationen mit ihnen."
„Ich bin sehr nett vom Stationsteam aufgenommen worden und durfte nach der Übergabe zusammen mit einer Kurskollegin und einer examinierten Pflegekraft schon am Vormittag Blutdruck und Puls messen", erzählt Franz Schilling von seinem ersten Tag auf Station. Nach der Intensiv-Einarbeitung durch zwei eigens dafür freigestellte Praxisanleiterinnen der Rotkreuzklinik fühlte er sich gut dafür vorbereitet. Zwei ganze Tage trainierten sie mit den neuen Azubis an lebensechten Übungspuppen: Von praktischen Pflegeaufgaben wie Vitalwerte ermitteln, Lagerungstechniken, Körperpflege und Verabreichen von Essen bis hin zu ersten schriftlichen Tätigkeiten wie dem Dokumentationsleitfaden und dem Umgang mit der Patientenakte. „Der medizinisch-pflegerische Bereich hat mich schon immer interessiert", sagt der 19-Jährige nach seinem ersten Frühdienst und freut sich auf die vor ihm liegenden Praxiswochen, bevor Ende Februar 2021 der nächste Theorieblock für ihn und die zukünftigen „Generalisten" auf dem Ausbildungsplan steht.

Pflegepädagogin Marina Frank freut sich darauf, die Schüler auf ihrem Weg in die Pflegeprofession begleiten zu dürfen. Während des sechswöchigen Einführungsblock standen neben Theorie und ersten praktischen Pflegetätigkeiten wie Körperpflege, Prophylaxen, Mobilisation sowie Bestimmung von Blutdruck, Puls, Temperatur und Atmung natürlich Hygiene- und Schutzmaßnahmen auf dem Lehrplan. „Es ist uns sehr wichtig, die neuen Auszubildenden bestmöglich auf die breit gefächerten Einsätze in Kliniken, Sozialstationen und Seniorenheimen vorzubereiten", betont Frank, denn durch die Generalistik sind Alten-, Kinderkranken- sowie die Gesundheits- und Krankenpflege jetzt zu einer Berufsausbildung zusammengeführt. „Viele Pflegemaßnahmen finden Anwendung in allen Bereichen. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen der Kinder- und der Altenpflege. Deshalb sind die theoretischen Inhalte breiter gefächert, dafür werden Krankheitsbilder weniger altersspezifisch unterrichtet", schildert Frank eine der Änderungen durch die Pflegeberufereform. „Darüber hinaus ist die neue Berufsausbildung EU-weit anerkannt und erhöht zusätzlich die Attraktivität der Profession, denn sie eröffnet umfassende Einsatzmöglichkeiten in alle Bereiche des Gesundheitswesens", ergänzt Schulleiterin Martina Zipf.